Das Persönliche Budget im Überblick

Erstellt von am Aug 20, 2015 in Inklusionsblog | Keine Kommentare

Was ist das Persönliche Budget?

Das Persönliche Budget ist eine Leistungsform bei der behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen von den Leistungsträgern in der Regel eine Geldleistung zur Rehabilitation und gleichberechtigten Teilhabe beantragen können. Ein Persönliches Budget setzt einen Anspruch auf budgetfähige Sozialleistungen voraus. Menschen mit Behinderungen haben somit die Möglichkeit und das Recht, diese Leistungsansprüche in Form von Geldleistungen als Alternative zu sonst traditionellen Dienst- oder Sachleistung zu erhalten.

Mit diesem Budget werden die Aufwendungen bezahlt, die zur Deckung des persönlichen Hilfebedarfs erforderlich sind. Niemand soll wegen Art und Schwere seiner Behinderung oder weder des Umfangs der von ihm benötigten Leistung ausgegrenzt werden.

Einführung und Rechtsgrundlage

Das Persönliche Budget wurde in einer Modellerprobung von 01.07.2004 bis 31.12.2007 in 14 Modellregionen in Deutschland erprobt und von einen Fachverbund wissenschaftlich begleitet.

Seit dem 01.01.2008 besteht ein verbindlicher Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget.

Zitat § 17 Abs. 2 SGB IX:

„Auf Antrag können Leistungen zur Teilhabe auch durch ein Persönliches Budget ausgeführt werden, um den Leistungsberechtigten in eigener Verantwortung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“

Worin besteht der Unterschied?

Der entscheidende Unterschied ist der Rollenwechsel. Menschen mit Behinderungen stellen ihre Assistenzkräfte im Rahmen so genannten Arbeitgebermodell an oder kaufen sich ihren Unterstützungsbedarf (Assistenzbedarf) als Dienstleistung bei einem Anbieter (entsprechend dem Wunsch- und Wahlrecht nach SGB IX) ein. Auch eine Kombination aus Arbeitgebermodell und Dienstleistungseinkauf ist möglich.

Vergleich Sachleistung Persönliches Budget

Grafik zeigt Vergleich zwischen Sachleistung und Persönliches Budget

Zielsetzung des Persönlichen Budget

Durch die Leistungsform des Persönlichen Budgets soll das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung gestärkt werden.

Konkret bedeutet dies:

  • Gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarfen in allen gesellschaftlichen Bereichen (Inklusion)
  • Hohes Maß an Selbstbestimmung und Selbstständigkeit
  • Personenzentrierte und lebensweltorientierte Unterstützungsangebote
  • Verbesserung der Lebenssituation und eine Steigerung der Lebensqualität

Persönliche Assistenz

Persönliche Assistenz gibt Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, ihr Leben nach ihren eigenen Bedürfnissen selbstbestimmt zu gestalten.

Beantragung und Finanzierung

Folgende Leistungsträger können bei einem Persönlichen Budget beteiligt sein:

  • Sozialämter
  • Pflegekassen
  • Krankenkassen
  • Agentur für Arbeit
  • Integrationsämter
  • Unfallversicherungsträger

Quantitativ bedeutsamster Leistungsträger für die Bewilligung Persönlicher Budgets sind die örtlichen und überörtlichen Träger der Sozialhilfe.

Wie hoch ist das Persönliche Budget?

Die Höhe hängt vom individuell festgestellten Hilfebedarf eines behinderten Menschen ab und soll die Höhe der Kosten der bisher gezahlten Leistungen nicht überschreiten.
Persönliche Budget können sich zwischen 100 und 10.000 Euro monatlich bewegen.

Persönliches Budget – Zahlen und Fakten

  • Ende 2013 nutzen 8.516 behinderte Menschen in Deutschland ein PB, dass entspricht 1 Prozent von insgesamt 834.494 EmpfängerInnen von Eingliederungshilfe
  • Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg stellen zusammen 4.035 Budgets, dass entspricht 47,38 Prozent

Thüringen:

  • Ende 2013 lebten in Thüringen 200.074 Schwerbehinderte , dies entspricht 9,25 Prozent von 2.160.840 Einwohner in Thüringen und verdeutlicht, die immense Herausforderung, mit Blick auf soziale Versorgungsstrukturen
  • Gemessen an der Gesamtzahl der EmpfängerIn von Eingliederungshilfe (25.714), entspricht dass einen äußert geringen Anteil von 1,19 Prozent die das PB nutzen

Anzahl der Persönlichen Budgets im Ländervergleich
Übersicht – Anzahl der Persönlichen Budgets im Ländervergleich – 2013